Auch Pflegende brauchen Zeit zur Erholung....

Verhinderungs-/ Ersatzpflege zu Hause

Schaffen Sie sich Freiräume...

Kurzeitpflege zuhause, bei Ausfall oder Urlaub der Pflegeperson

Nach wie vor sind es die Angehörigen pflegebedürftiger Menschen, die die Hauptlast der pflegerischen Versorgung tragen. In vielen Fällen engagieren sie sich sieben Tage die Woche; kein Wunder, dass irgendwann die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit erreicht sind.

Der Gesetzgeber hat deshalb die sog. Verhinderungspflege als Rechtsanspruch in das Pflegeversicherungsgesetz intergriert. So soll gewährleistet werden, dass die pflegerische Versorgung auch dann sichergestellt ist, wenn pflegende Angehörige eine Auszeit (Urlaub, Kur) benötigen oder gar selbst wegen Krankheit nicht zur Verfügung stehen. In diesen Fällen ist es übrigens nicht erforderlich, die pflegerische Versorgung in einer stationären Einrichtung durchzuführen; sie kann vielmehr im gewohnten häuslichen Umfeld durch einen Pflegedienst fortgesetzt werden. Bei einem umfangreichen Hilfebedarf bietet sich die Inanspruchnahme einer häuslichen Rund um die Uhr Pflege an. So steht eine Pflegekraft während der Abwesenheit der sonstigen Pflegeperson im Haushalt dauernd zur Verfügung. Vorteil: der Pflegebedürftige muss für die Dauer der Abwesenheit nicht in eine stationäre Einrichtung wechseln. Dies wirkt sich nicht selten ungünstig aus, weil Ortswechsel und anderer Tagesablauf bei manchen Erkrankungen, ganz besonders bei dementiellen Erkrankungen, zu einer Verschlechterung der Symptome führen können.

Zusammenfassend kann man also sagen:

Auch wenn ein pflegebedürftiges Familienmitglied bei Ausfall des sonst pflegenden Angehörigen unter allen Umständen nicht aus den eingenen vier Wänden ausziehen will, gibt es eine Lösung. Anstelle einer stationären Kurzzeitpflege kann in diesen Fällen auf die Kurzzeitpflege zuhause zurückgegriffen werden.

Anspruchsvoraussetzung 

Ein Anspruch ist dann gegeben, wenn die Pflegeperson, die nicht erwerbsmäßig pflegt, ausfällt. Der Ausfallgrund ist in diesem Zusammenhang unerheblich. Des weiteren muss die Verhinderungspflege notwendig sein, d.h. es muss ein erheblicher Hilfebedarf in pflegerischer und hauswirtschaftlicher Hinsicht, sowie ein allgemeiner sozialer Betreuungsaufwand vorliegen. Die Notwendigkeit ist unter Umständen nicht nur dann gegeben, wenn die Pflegeperson ausfällt, sonder auch dann, wenn sie z.B. im Anschluß an einen Krankenhausaufenthalt nicht in der Lage ist die häusliche Versorgung alleine sicherzustellen.

Die Verhinderungspflege muss der zuständigen Pflegekasse angezeigt und durch die Pflegekasse genehmigt werden. Die Meldung an die Pflegekasse kann formlos, telefonisch oder schriftlich, erfolgen. Geregelt sind die Anspruchsvoraussetzungen und die Höhe der Leistungen im § 39, Sozialgesetzbuch XI.

Mit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz ab Januar 2013 haben auch Menschen mit der Pflegestufe 0 erstmals einen Anspruch auf Verhinderungspflege.

Leistungsumfang

Die Pflegeversicherung stellt für die Verhinderungspflege pro Jahr einen Höchstbetrag von 1.550,00 Euro zur Verfügung. Dieser Höchstbetrag ist nicht an das Vorliegen einer bestimmten Pflegestufe gekoppelt. Zu beachten ist, dass die Kasse, unabhängig von diesem Höchstbetrag, eine Verhinderungspflege für maximal 28 Tage im Kalenderjahr gewährt. Eine Splittung der Verhinderungspflege auf mehrere Termine im Jahr ist möglich.

Kommentar

Pflegende Angehörige leisten als "größter Pflegedienst" in Deutschland einen wertvollen Beitrag für die Gemeinschaft. Ohne sie würde unser Gesundheitssystem kollabieren. Laut Statistik werden etwa 2,2 Millionen pflegebedürftige Menschen zu Hause betreut. Dieses Engagement fordert von den Pflegenden oft einen hohen Preis. Laut einer Aalyse der SBK (Siemensbetriebskrankenkasse) liegt die Zahl der Diagnosen von chronischen und schwerwiegenden Erkrankungen durch die Mehrfachbelastung um bis zu 51% höher als beim Durchschnittsbürger. Seltsamerweise sind aber Aufwendungen für stationäre Krankenhausbehandlungen von pflegenden Angehörigen nicht höher als beim Durchschnittsbürger. Es liegt die Vermutung nahe, dass sich dieser Personenkreis aus Rücksicht auf ihre Aufgabe zuhause seltener in eine stationäre Behandlung begibt. Dieses Verhalten wird auch zunehmend von Pflegeexperten bestätigt. Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft nehmen nur 13% der pflegenden Menschen professionelle Hilfe in Anspruch. Hilfe wird erst dann angenommen, wenn es gar nicht mehr anders geht. Mit unserem Angebot der Kurzzeitpflege zuhause wollen wir pflegende Angehörige ermutigen, sich wenigstens von Zeit zu Zeit eine Auszeit zu gönnen.

 

Aktualisiert 15. April 2014